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Multiple Sklerose

die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern

Besiegt ist nur, wer den Mut verliert.
Sieger ist jeder, der weiterkämpfen will.

die Anfänge
Irgendwann in den Jahren 1984/85 merkte ich, dass ich Probleme mit dem Hören bekam. Ich konnte zwar alles verstehen, was gesagt wurde; es klang aber, als hätte ich Watte in den Ohren. Mein Besuch beim Ohrenarzt führte zu keinem Ergebnis. Hier wurden "Durchblutungsstörungen" diagnostiziert, und ich bekam Tropfen verschrieben, die die Durchblutung steigern sollten. Der Erfolg war gleich Null. Irgendwann verschwanden die Beschwerden von selbst und ich dachte nicht weiter darüber nach.
 
Einige Monate später traten Sehstörungen auf. Wenn ich mich körperlich anstrengte  -  es reichte schon ein strammer Spaziergang  -  konnte ich auf 10 Meter Entfernung nichts mehr erkennen, weil ich alles verschwommen und wie vernebelt sah. Dies verschwand, sobald ich mich einige Minuten ausruhte.
Der hinzugezogene Augenarzt konnte auch nichts feststellen. Und wieder gab es Tropfen für die Durchblutung. Und wieder verschwanden die Beschwerden von selbst.

erste Ergebnisse
Ende der 80er Jahre traten unvermittelt Gefühlsstörungen an großen Bereichen meines Körpers auf. Die Berührung der Haut empfand ich als unangenehm und ich hatte den Eindruck, in einem zu engen Taucheranzug zu stecken. Hinzu kamen drei kleine Pickel im Bereich der Rippen. (Was im Nachhinein gesehen wohl doch Mückenstiche waren.) Der konsultierte Internist vermutete eine Gürtelrose und verschrieb ein Vitamin B Präparat. Irgendwann verschwanden die Pickel und die Sensibilität der Haut normalisierte sich wieder.
 
Ein Jahr später spielte die Haut bei Berührungen wieder verrückt  -  diesmal ohne Pickelbildung. Ich wieder zum Internisten: "Herr Doktor, ich habe schon wieder eine Gürtelrose." Da das aber mehr als unwahrscheinlich war, wurde ich zum Neurologen überwiesen. Dort wurden die verschiedensten neurologischen Untersuchen durchgeführt und eine Computertomographie des Kopfes erstellt.
Mitgeteilte Diagnose: eine Entzündung im Nervensystem.
Behandlung: hochdosiert Vitamin B
 
Alle Beschwerden bildeten sich fast vollständig wieder zurück.

die Diagnose
Ungefähr ein Jahr später traten wieder diese Gefühlsstörungen der Haut auf. Wieder Neurologe - wieder Computertomographie des Kopfes. Es begann eine  Woche ungeduldigen Wartens. Dann teilte mir mein Neurologe die Diagnose mit: 
 
Multiple Sklerose
 
Für mich brach eine Welt zusammen. Ich war erst einige Jahre verheiratet und fürchtete um meine Ehe. Mein Mann zerstreute meine anfänglichen Bedenken mit den Worten: "Da müssen WIR durch. Das schaffen wir schon." Das WIR hat dann bis 1994 gehalten, als er mit einer Vereinskollegin aus dem Hundeverein ein Verhältnis anfing und sang- und klanglos auszog und die Scheidung einreichte.
Ich hatte in Absprache mit ihm mich einige Wochen vorher krank schreiben lassen, einen Rentenantrag gestellt und meinem damaligen Arbeitgeber schon angedeutet, dass ich wohl nicht wiederkommen würde. Wofür der auch Verständnis zeigte, da er meine Situation kannte.

die Gegenwart
Auch wenn Einige das vielleicht nicht glauben können: Ich bin alles in allem ein glücklicher, zufriedener Mensch. Im Nachhinein hat es sich als Glücksfall herausgestellt, dass mein Mann die Flucht ergriffen hat. Er war ein sehr schwieriger Mensch, was mich zusätzlich noch psychisch belastet hat. Und psychische Belastungen sind absolut Gift für mich. Seit dieser Druck nicht mehr besteht, geht es mir mental viel, viel besser.

Im übrigen habe ich meine gesamte Einstellung geändert. Ich lasse alles viel ruhiger angehen. Was ich nicht schaffe, bleibt eben liegen. 
 
Ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten, wenn sie benötigt wird. Bisher ist mir das noch nie verweigert worden. Ganz im Gegenteil  - die Mitmenschen sind besser, als allgemein angenommen wird.

jetzt und hier
Ich hoffe, dass ich noch lange  -  oder besser gesagt für immer  -  meine Selbständigkeit behalte.
 
Ich fahre noch selbst mit dem Auto  -  mit auf meine Bedürfnisse zugeschnittenem Umbau.  In der Wohnung oder für ganz kurze Strecken benutze ich Unterarm-Gehstützen, ansonsten meinen AOK-Shopper sprich Rollstuhl. Auch wenn der Begriff "Rollstuhl" mit so negativen Gedanken belastet ist, war es doch eine der besten Entscheidungen, die ich in den letzten Jahren getroffen habe.
mein Lebensmotto

die Frage ist nicht: warum hat es ausgerechnet mich getroffen

die Frage ist doch: warum sollte es ausgerechnet mich nicht treffen

die 1.000 Gesichter der MS

MS ist, wenn man:

viele Ideen im Kopf hat und nichts mehr ausführen kann,
eine bleierne Müdigkeit von einer Sekunde auf die andere fühlt,
lesen möchte und alles doppelt sieht,
nicht weiß, ob man sich am nächsten Tag noch bewegen kann,
herum torkelt, als wäre man volltrunken, obwohl man vollkommen nüchtern ist,
gehen will, aber ein Gefühl hat, als ob jemand einen Fuß festgenagelt hätte,
ein Gefühl in den Händen hat, als ob man alles mit Fäustlingen greift,
erst spürt, dass etwas zu heiß ist, wenn man schon eine Brandblase hat,
manchmal so zittert, dass man nicht aus einem Glas trinken kann,
sich auf die kleinsten Handgriffe konzentrieren muss, damit sie halbwegs gelingen,
durch die Spastik und Gehschwäche arge Gelenkschmerzen hat, obwohl behauptet wird, dass die Krankheit   keine Schmerzen verursachen würde,
manchmal beim Sprechen einen dicken Wattebausch im Mund hat,
überall zuerst schaut, wo die Toilette ist und es trotzdem sehr oft nicht rechtzeitig schafft,
glaubt, dass man für seinen Partner nicht mehr reizvoll ist, sondern eine große Belastung,
bei nichtigen Anlässen sofort weinen muss,
von Bekannten, Freunden missverstanden wird.....

 

MS ist aber auch, wenn man

so manches nicht mehr so wichtig nimmt,

sich über Kleinigkeiten viel mehr freuen kann,

die Chance begreift, sein Leben neu zu entdecken, umzugestalten

 

 

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